Nijmwegen

Ein Tag in Nijmwegen


Unser diesjähriger Ausflug war ein Kurztrip und führte uns direkt in das Land der Käse- und  Heringsesser, Klompjes-Träger (holländische Holzschuhe) und tolerant-liberalen Kiffer.

Merkt man natürlich nichts von: Nimwegen könnte genauso gut auf unserer Seite der Grenze  liegen!

Sprachprobleme gab es auch keine , denn erstens kann der Holländer fließend Deutsch, und zweitens waren wir an einem deutschen, katholischen Feiertag da, den unsere protestantischen Nachbarn nicht wahrnehmen und arbeiten müssen. Nimwegen war voll mit einkaufswütigen und feiertagsgelaunten Deutschen! Wie zu Hause.

Nimwegen bezeichnet sich als die älteste Stadt der Niederlande, stimmt leider nicht so ganz , denn nach den Römern kamen im Mittelalter die Merowinger. Karl der Große baute dort eine Pfalz und auch die nachfolgenden Königs- und Kaisergeschlechter der Ottonen und Salier hielten sich gern dort auf. Erst am 8.Oktober 1247 kam Nimwegen in niederländische Hände, nämlich in die des Grafen Otto 2. von Gelderland, der die ganze Chose dann auch behielt.

1402 wurde Nimwegen Mitglied der Hanse, trotz Pest erreichte man steigende
Einwohnerzahlen und Mitte des 15. Jahrhunderts war die Stadt die wichtigste Stadt in den nördlichen Provinzen; zahlreiche Kirchen und Klöster lockten das Kunsthandwerkgewerbe an und man zählte 10.000 Einwohner.

1923 bekam Nimwegen seine Universität.

Im zweiten Weltkrieg wurde die Stadt von Bomben der Alliierten so ziemlich platt gemacht: man verwechselte Nimwegen mit Kleve. Inzwischen wohnen knapp 120.000 Menschen in Nimwegen.

Hier noch eine Liste der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Nimwegens
ıSt.-Stevenskerk (gotisch), erbaut im 13. Jahrhundert, nach dem Zweiten Weltkrieg restauriert
ı Rathaus
ı Die Stadtwaage auf dem Großen Markt (jetzt Cafe-Restaurant)
ı Der Valkhof mit der Barbarossa-Ruine (früher römische und karolingische Bauwerke an dieser Stelle) und
der St.-Nikolaus-Kapelle
ı Reste der Wallanlage: das Belvedère und der Kronenburgerturm
ı Nationales Fahrradmuseum Velorama
ı Die 1931 bis 1936 errichtete Waalbrücke bei Nimwegen
ı Museum Het Valkhof, modernes Museum mit römischen und anderen archäologischen Funden sowie alter
und moderner Kunst (Kelfkensbos 59, am Ostrand der Innenstadt), bemerkenswerte Architektur von UNStudio
(Ben van Berkel und Caroline Bos)
ı muZIEum, Erfahrungsmuseum über Sehen und Nichtsehen, unter anderem mit „Dialoog in het donker“, wo
Besucher erfahren können, wie es ist, nicht zu sehen.

Von diesen Dingen hatten wir natürlich am 3. Juni alle keine Ahnung, mit dem untrüglichen Sinn der Fachidioten zog es uns sofort und als erstes in die schöne schöne Galerie Marzee!
(www. marzee.nl)

1978 wurde sie gegründet, 1995 zog sie an ihren jetzigen Standort in den alten
Getreidespeicher am Fluss, der Waal. Mit 850 Quadratmetern ist sie die größte Galerie für zeitgenössischen Schmuck in den Niederländen. Zeitgleich laufen auf drei Etagen drei Ausstellungen: Wir sahen im ebenerdigen Ausstellungsraum Lucy Sarneel , im ersten Stock Beate Klockmann, im zweiten Stock Chiquita Nahar. Dazu gibt es unzählige, allen zugängliche, Schubladenschränke mit der ständigen Sammlung ( auf allen drei Etagen), die 68 Künstler der internationalen Schmuckszene umfasst. Also Reizüberflutung pur: Göttlich!

Wir hatten uns zwar angemeldet, schließlich „fielen wir 13 Mann hoch ein“, aber keine Führung gewünscht und man ließ uns frei „herumstromern“ und schauen. In der Galerie Marzee darf man den offenliegenden Schmuck anfassen, mit aller gebotenen Vorsicht, alle Schubladen aufmachen und so verbrachten wir herrliche Stunden. Ich, die ich immer allein im Atelier arbeite, habe besonders das Gespräch unter Kollegen, unsere Fachsimpeleien, genossen. Was ist wohl wie gemacht worden? Eigensinnige Broschierung! Interessante Materialwahl! So ein simpler Verschluss! Ach nee, guck mal hier: ein Guß (leichte Verachtung in der Stimme, fast so schlimm wie Instantbrühe in der Küche…)

So betraten wir pünktlich um kurz nach 11 die Galerie und verließen sie um halb drei wieder: nicht mehr aufnahmefähig, vollgestopft mit 1001 Eindrücken , begleitet von den fröhlichen Abschiedsgrüßen des freundlichen Marzee-Teams.

Und durstig waren wir an diesem immer wärmer werdenden Frühsommertag. Am Marktplatz fanden wir in einem der zahlreichen Kaffees Platz und bestellten fast einstimmig: „Koffie verkeerd!“, den holländischen Milchkaffee: Kaffee verkehrt herum, denn es enthält nun mal mehr Milch als Kaffee. Appeltaart met slagroom (Apfelkuchen mit Sahne)war leider aus. Wir konnten unseren Hunger jedoch etwas später stillen in einer tollen Frittenbude mit selbstgemachten „Frites“ , wahlweise mit Mayonnaise oder Satésauce (Erdnusssoße). In engster Nachbarschaft war ein Käseladen, nicht zu weit weg mein persönlicher Favorit das Kaufhaus „HEMA“ und die Drogeriekette „Kruidvat“. Wir liefen durch kleine Gassen, die gesäumt wurden von kleinen, spannenden Boutiquen. Keiner von uns dachte auch nur im entferntesten daran, dem mittelalterlichen oder römischen Nimwegen Aufmerksamkeit zu schenken: Wir waren voll in der Neuzeit! (Dabei soll das römische Museum richtig gut sein.)

So gegen sechs Uhr machten wir uns in drei Pkw´s in verschiedenen Fahrgemeinschaften zufrieden auf den etwa 1,5 stündigen Heimweg zurück nach Köln: Zwar ohne Matjes, aber mit Käse und holländischen Badeschaum. So war für jeden Geschmack etwas dabei und wir erlebten einen prallen Tag!