Krakau


SCHMUCKREISE NACH KRAKAU
Juni 2009



Anlass der Reise war die Eröffnung der Ausstellung HORROR VACUI in der Galerie Bielak in Krakau.

Der Hauptteil der Reisegruppe traf am Donnerstag, dem 25.6.09, durch eine Flugverzögerung verspätet, in Krakau ein. Wir wurden von Astrid Niggeloh im Hotel empfangen. Dieses machte einen guten Eindruck, hatte aber einige Besonderheiten. So konnte man in einigen Zimmern das Fenster nur mit einer Leiter bedienen und das Frühstück musste jeder in seinem Zimmer einnehmen.

Den Abend verbrachten wir in geselliger Runde in einem Biergarten in der Nähe des Hotels.
Am Freitag starteten wir um 10 Uhr zu einem Rundgang durch die Innenstadt der ehemaligen Hauptstadt Polens, um einen Eindruck von den zahlreichen historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten zu bekommen. Der imposante gotische Schnitzaltar in der Marienkirche, die berühmten Tuchhallen, der Rathausturm, den man besteigen konnte, und das alte Collegium Maius mit seinem arkadengeschmückten Innenhof haben mir besonders gefallen. Mittags trafen wir uns im Restaurant Redolfi mit den erst am Freitag angereisten Teilnehmern. Weiter ging es durch die vielen schönen Gassen mit den prächtigen Bauten, alten Kirchen und Palästen, bis wir in der malerischen Kanonika Gasse einen schönen Ort entdeckten, ein gemütliches Büchercafé, wo man abseits der Touristenströme die Seele baumeln lassen konnte.

Kurz vor 19 Uhr kamen wir etwas ermattet vor der Galerie Bielak an. In einem kleinen malerischen Innenhof hatten sich zahlreiche Besucher versammelt und warteten gespannt auf die Dinge, die da kommen sollten.
Die Gäste wurden von Astrid Niggeloh in englischer, danach von Andrzej Bielak in polnischer Sprache begrüßt. Dann war der feierliche Augenblick gekommen, das Gitter vor der Treppe wurde geöffnet und man stieg hinab in ein kleines, aber feines Kellergewölbe. Die alten rohen Ziegelmauern strahlten in der indirekten Beleuchtung eine warme angenehme Atmosphäre aus. Die Ausstellungsobjekte wurden teils in Glasvitrinen, teils in Schaukästen, die in die Mauer gebrochen waren, sehr eindrucksvoll präsentiert. Die Müdigkeit, die noch vor einer halben Stunde auf Augen und Glieder gedrückt hatte, war verflogen.
Obwohl wir die Ausstellungsstücke alle gut kannten, hatten sie in dieser stimmungsvollen Umgebung eine besondere Ausstrahlung. Es machte Freude, sie alle noch einmal zu betrachten.


Wir hatten das Glück, dass Barbara Kanska Bielak, die Frau von Andrzej Bielak, die als Fotografin im gleichen Haus ein Atelier hat, unsere Objekte in dieser besonderen Umgebung festgehalten hat und uns bereits am nächsten Tag eine DVD von ihren Fotos überreichte. Anschließend ging es zusammen mit Barbara und Andrzej zum Essen. Trotz etwas schwieriger sprachlicher Verhältnisse wurde es ein sehr netter Abend, auch wenn wir leider nicht viel über die Szene der polnischen Schmuckmacher in Erfahrung bringen konnten.
Der harte Kern der Truppe traf sich noch zu einem Abschlusstrunk in der Gastwirtschaft des ersten Abends.

Am Samstagmorgen holte uns Andrzej im Hotel ab, um uns seine Werkstatt zu zeigen. Er hatte zwar große Bedenken, ob es uns überhaupt gefallen könnte, aber für uns war die Werkstatt in den Kellerräumen seines Hauses sehr beeindruckend. Dort wurde in mehreren Räumen, teils mit selbstgemachten Maschinen und Werkzeugen, seit vielen Jahren fleißig gearbeitet. Auch was er uns über die Ver- und Bearbeitung des Bernsteins berichtete, fand großes Interesse.

Leider war es die einzige Werkstatt, die wir besuchen konnten. Unsere anschließende Stadtbesichtigung führte uns über den Wochenmarkt bis zum Wawel-Schloss und dann durch das jüdische Viertel. Natürlich haben wir auf allen unseren Rundgängen in jedes Schmuckgeschäft geschaut, aber außer viel Bernstein war nur sehr selten guter Designerschmuck zu entdecken.

Auf dem schönen großen Marktplatz, dem Rynek Glowny, konnte man das Treiben der vielen Menschen bestaunen und die schönen, gepflegten Pferdekutschen bewundern, die mit viel Liebe und handwerklichem Geschick nachgebaut werden. In der Innenstadt war es angenehm, dass die Autos vorübergehend verbannt waren und nur die Kutschen, von den Touristen fleißig benutzt, fuhren. Es war viel junges Volk unterwegs. Man hatte den Eindruck, dass die Polen sehr auf ihr Äußeres achten, alle waren schick und modisch gekleidet und die jungen Damen stolzierten unbekümmert mit ihren hohen Hacken über das Kopfsteinpflaster.
Der Tag wurde mit einem indischen Essen abgeschlossen.

Der Sonntag begann etwas regnerisch, trotzdem sind wir guten Mutes bis zur Weichsel geschlendert. Es klarte bald wieder auf und bei Sonnenschein führte uns der Weg über die Paulskirche und die Katharinenkirche wieder ins jüdische Viertel, wo heute am Sonntag mehr Betrieb herrschte und der alte Friedhof samt Synagoge auch zu besichtigen war. Leider war für einige von uns der Sonntag auch der Abreisetag. Nach einem guten Essen in einem malerischen Innenhof hieß es Abschied nehmen. Wir gingen zum letzten Mal durch die Stadt, um im Hotel die Koffer zu holen. Ein Taxi brachte uns schnell und preiswert zum Flugplatz. Jede Reise geht leider auch einmal zu Ende. Es war eine schöne Reise.

Gabriele Nimmermann