Schweiz
Schmucktourismus Schweiz im Mai 2007
ein Bericht von Barbara Drees
Nach einem angenehmen Flug erreichten wir das regnerische Zürich und suchten nach den richtigen Bahnverbindungen und Fahrkarten nach Zug, wo unser Hotel gebucht war. Erstaunt konnten wir feststellen, dass Schweizer Schalterbeamte unaufgefordert preiswertere und praktischere Alternativen vorschlagen!
(In Deutschland muss man Schalterbeamte eher bedrohen, um so etwas erleben zu können...)
Unser erster „Programmpunkt“ an diesem Abend war der Besuch in der Galerie SCHMU_KU_KU bei Brigitte Moser in Baar.
Salome Lippuner war anwesend und zeigte uns ihren Schmuck mit Japanlack-Technik.
Ausführlich und lebhaft erzählte sie uns alles, was wir über diese ausgefallene Technik wissen wollten! So konnten wir lernen, dass es mindestens dreißig Schichten bedarf, bis ein einigermaßen akzeptables Ergebnis zu erzielen ist. Der Baumsaft (nein, kein –Harz) wird auf die Untergründe aufgetragen, immer wieder getrocknet und glattgeschliffen, bis in Salomes Händen Schmuckstücke entstehen, die unbedingt erfühlt sein wollen: alle Stücke hatten eine sinnliche Ausstrahlung, die „erstreichelt“ werden wollte.
Eine wunderbare Ergänzung stellten die Skulpturen von Daniel Chiquet dar, die durch ihre Licht- und Schattenwirkung bestachen.
Natürlich beschlossen wir den Abend gesellig im benachbarten Cham (bitte schweizerisch ein gehauchtes aber energisches „K“ ausstoßen. Eventueller Hustenreiz sollte unterdrückt werden...) Dort probierten wir unter anderem Schweizer Weine, die natürlich hervorragend mundeten.
Der nächste Tag war Zürich gewidmet: eine Stadt, die zum „planlosen“ Bummeln einfach nur einlädt! Wir wunderten uns über die Plafonds, die in den Fluss hineinragen und in luftiger Höhe zum Sonnenbaden über dem Wasser einladen. Ohne jegliches Geländer! In deutschen Augen unüberlegte Ungesichertheit, der „Schweizer an sich“ scheint jedoch nicht zum Leichtsinn zu neigen...
Wir besuchten die Galerie „Friends of Carlotta“, deren Schaufenster in der Altstadt genauso fröhlich bunt zum Hingucken einlud wie ihr Name klingt.
Bruna Hauert führte uns engagiert und lebhaft durch die Hauptausstellung von Sam-Tho Duong, wo wir entdecken konnten, dass Ingwerknollen als Grundidee für Schmuck nicht nur reizvolle sondern auch überraschende Seiten zeigt. Auch hier wieder das starke Verlangen, anfassen zu wollen...
Nachmittags fuhren wir zum Maag-Areal, einem alten Industriegelände, in dem jetzt Ateliers und Studios eingerichtet sind. Neben Andi Gut, der uns über neueste Arbeiten und Projekte berichtete, trafen wir dort auch zwei Ateliergefährten, so dass wir einen erfahrenswerten Austausch unter Kollegen im lichtdurchfluteten geräumigen Atelier genossen. Ich erinnere mich an sein „großes Projekt“ bei dem er mit einer Bildhauerin zusammen einen in der Nähe gelegenen Steinbruch mit Kunst „beleben“ will. All die Erinnerungen, die mit diesem Gelände zusammenhängen, lässt er in einem großen gläsernen Gefäß mit mehreren „Armen“, das mich an meinen Physik- und Chemieunterricht erinnerte, zusammenfließen und konserviert sie so.
Am gleichen Abend besuchten wir auch noch Christoph Zellweger, der uns bereitwillig und ausführlich sein Atelier und seinen Schmuck aus menschlichen Knochen zeigte.
Durch eine besondere Art der Beschichtung der Knochen, die sich mit rosa Flaum überzogen, erfuhren auch diese Gegenstände eine Metamorphose und wollten berührt werden: von der „Faszination Ekel“ zu taktiler Sinnlichkeit.
Natürlich beschlossen wir auch diesen Tag mit einem Restaurantbesuch, dieses mal mit Züricher Bier.
Der nächste Tag führte uns nach Bern, wo uns Gabriela Felgenträger eine liebevolle Stadtführung gab. Besonders erwähnenswert ist der Besuch in der Galerie Beatrice Lang in der Münstergasse 72, die mit der Ausstellung „Animal“ ins Tierreich führte: Stofftiere, die durch Schmuck ihren „Charakter“ unterstrichen, wie ihn die Erinnerungen lebendig hielten, oder Schmuck aus Hasenzähnen, der immer wieder zum Betrachten aufforderte, denn man fand nicht sofort heraus, was es nun war. Tiere, die über und über mit Strasssteinen bedeckt „glitzerten“, und erst auf den zweiten Blick „Verwachsungen“ und Verzerrungen“ preisgaben...
Auch sehr eindrucksvoll war das Museum Paul Klee in seiner modernen Architektur. Mir persönlich gefielen die Handpuppen am besten, die der Künstler für seine Kinder bastelte, aber sein Werk in dieser umfassenden Vielfalt zu sehen machte besonderes Vergnügen.
Wir schlossen den Tag auf dem Gurten, dem Berner „Hausberg“ bei bestem Fernblick auf die Alpen des Berner Oberlandes.
Auch den nächsten und letzten Tag beschlossen wir in der Natur zu verbringen: Brigitte Moser hatte ein herrliches Picknick vorbereitet, dass wir am Zuger See einnahmen. Einige von uns gingen sogar schwimmen!
Es wird mir als besonderes Erlebnis in Erinnerung bleiben, im klaren blauen Wasser auf schneebedeckte Berge zuzuschwimmen, denn wir waren nicht nur kulturbeflissene Erkenntnissuchende, sondern hatten auch jede Menge Spaß im geselligen und genussfreudigem Kreise: So weiß ich jetzt, wie viel Whiskey jeder von uns verträgt; weiß um Marlenes "politische Vergangenheit", die sie zu der tiefen Einsicht brachte, dass Willy Brandt ein "Föttchesfühler" (hochdeutsch: Popo-Grapscher) mit warmen Händen war; und ich habe nicht zuletzt Udos trockenen, scheinbar unbeabsichtigten Humor kennen gelernt, der mich unter Lachanfällen fast im See ertrinken ließ....
Der Rückflug (toller Ausblick auf sonnenbeschienene Alpen) in Heiterkeit und müder "Bräsigkeit" war noch einmal ein willkommener Aufschub unserer Verabschiedung voneinander in Köln, wo wir uns fest für den nächsten Schmucktourismus 2008 verabredeten.
Ich freue mich schon darauf.......








