Lissabon 2005
Ars Ornata Europeana 2005 in Lissabon
von Astrid Niggeloh
und ...
Anfang Juli hatten Sabine Braunfisch und ich das Vergnügen, die 10. AOE zu besuchen.
Als charmante Gastgeberin führte Cristina Filipe durch die gesamte Ars Ornata. Eine angenehme Art, von einem Programmpunkt zum nächsten geleitet zu werden. Aber auch notwendig, da vom ersten Tage die Anfangszeiten im Programm obsolet waren.
Ihren stilvollen Beginn fand die Konferenz im Museu Nacional de Arte Antiga, wo alle Teilnehmer nach der Begrüßung durch die Museumsleiterin durch die Ausstellung geführt wurden. Internationale Schmuckkünstler waren eingeladen, sich mit einem Stück aus der Sammlung auseinanderzusetzen und das Ergebnis in einem eigenen Stück auszudrücken. Seinen beeindruckenden Abschluss fand der Rundgang in einer Tanzperformance von dem Künstler Noam Ben-Jacov. Danach wurden wir ins Auditorium gebeten, wo wir das Vergnügen hatten, zweier sehr unterschiedlichen Vorträgen zu lauschen: Michael Rowe sprach über SUBJECTivity and OBJECThood und Robert Bains untersuchte The space between Vasco da Gama, 1498 and James Cook, 1770. Der Empfang und das spätere Abendessen im wunderschönen Garten des Museums am Ufer des Tejo war eine gute Gelegenheit, alte Freunde und Bekannte zu begrüßen und Neuigkeiten auszutauschen sowie neue Leute kennen zu lernen. Leider trübte die Nachricht über die Bombenanschläge in London die Stimmung, besonders die in großer Zahl angereisten Briten waren sehr beunruhigt. Glücklicherweise war niemand direkt betroffen.
Den Freitag waren wir eingeladen ins Centro Cultural de Belém. Monika Gaspar begann den Reigen der Vorträge. Sie erläuterte das Konzept der von ihr kuratierten Ausstellung Nomad Room. Im Anschluss gab es die Möglichkeit, sich das Ergebnis in den angrenzenden Räumen anzusehen. Eine schöne Brücke zu der vorherigen Ars Ornata in Zürich im Jahre 2003 schlug der Film über das Tram 4 Projekt. Cristina Filipe und ihre Mitstreiter hatten ihre liebe Mühe, die Teilnehmer aus der Ausstellung und der Filmvorführung zu eisen und für den nächsten Pogrammpunkt zu sammeln.
Kurz und knackig führte uns der Ausstellungsdirektor Delfim Sardo durch die Sammlung des Museums. Auch der Vortrag nach der Mittagspause bot einen Blick über den Tellerrand. Der Kurator Alexandre Melo zeigte und erzählte von der Zusammenarbeit der Tänzerin Vera Mantero mit dem Bildhauer Rui Chafes. Im Anschluss an den Vortrag von Liesbeth den Besten von der Françoise van den Bosch Foundation über Borderline Jewellery entwickelte sich eine lebhafte Diskussion.
Nach einem langen Tag intensiven Zuhörens blies der Abschluss All About Jewellery -eine äußerst amüsante und anregende Diashow von Markus Pfannenstiel - alle Müdigkeit weg und man war gerüstet, sich einen alten Hollywood-Spielfilm unter freiem Himmel mitten in Lissabon anzusehen.
Der dritte Tag der Konferenz war der „Spieltag“. Nach den zehn verschiedenen Workshops, inspiriert von Jim Jarmuschs Film Coffee, Jewels and Cigarettes am Morgen und der folgenden Präsentation der Ergebnisse war der Nachmittag den Atelier- und Galeriebesuchen gewidmet.
Seinen Höhepunkt fand der Tag in der Party am Abend - kein Wunsch blieb unerfüllt, auch nicht der unsere, dass die Ars Ornata Europeana weitergeht.
Nach Mitternacht ging es vom hübschen Hof der Ar.Co zu der Diskothek LUX am Hafen. Während The Theft of the Jewellery stattfand, heckten wir mit den Briten Wege aus, wie man die Ars Ornata nach Großbritannien bringen kann. Daumen drücken! Dieser Samstag hat die Teilnehmer einander näher gebracht, in den Workshops lernte man eine kleine Gruppe ein wenig genauer kennen, man traf sich immer wieder in den verschiedenen Galerien und Ateliers und an den großen Tischen am Abend saß man erneut mit neuen Leuten zusammen oder konnte flüchtige Begegnungen vertiefen.
Viele mussten Sonntag schon Lissabon verlassen. Aber für die Dagebliebenen gab es einen wundervollen Ausklang. Sonntagmorgen in der Kirche Sao Roque hielt der Jesuitenpriester und Kunsthistoriker Joao Norton de Matos seinen Vortrag über The sense of a hidden and manifest Presence in Christian Art. Danach wartete ein Bus auf uns und wir wurden bequem zu ausgesuchten Museen kutschiert. Die Fahrzeit wurde mit Wissenswertem vom Wegesrand amüsant verkürzt.
everywhere nowhere -Ars Ornata Europeana
Lissabon 07. bis 10. Juli 2005
von Sabine Braunfisch
Mit dem diesjährigen Thema „everywhere nowhere“ legte die portugiesische Schmuckvereinigung PIN den Schwerpunkt auf die Präsenz /die Abwesenheit von Schmuck im Alltag. „überall und nirgends“ zeigte in vielen Facetten die Schönheit des Leichten und Flüchtigen. Arbeiten in einem anderen Kontext von Raum oder Zeit zu stellen, die interdisziplinären Übergänge, war ein anderer Aspekt des Symposions, der in mehreren Ausstellungen dokumentiert war.
„mais perto – closer“ zeigte die Annäherung von gestern und heute. So fand man zwischen Renaissancemöbeln und -gemälden immer wieder Schmuckstücke und Skulpturen, die mit einem Exponat der Sammlung korrespondierten. „lightness – reviving filigree“ zeigte alte Filigrantechniken im zeitgenössischen Schmuck. „everywhere“ und „nowhere“: zwei Workshops, die in der Vorwoche zum Symposion von Ted Noten und Paula Roush geleitet worden waren, präsentierten ihre Ergebnisse. „nomad room“ thematisierte die Intimsphäre und den öffentlichen Raum sowie die Überschreitung ihrer Grenzen im Schmuck.
Diese Wechselwirkung wurde auch mit anderen Medien aufgegriffen. Während der Körper in der Regel als Präsentationsfläche für Schmuck fungiert, zeigten die Tanzperformance “room“ und die Videoprojektion „eating your heart out“, wie der Körper sich mit und innerhalb einer Skulptur verhält. Und dass eine Legesteinmauer eine Sammlung von Broschen ist, erklärte uns der Diavortrag „all about jewellery“
Vorträge wie „borderline jewellery“, „bracelet java la-grande“ oder „SUBJECTivity and OBJECThood“ behandelten das Thema von wieder anderen Blickwinkeln. Und auch der Blick zurück gehörte dazu, indem die Organisatoren des letzten Symposions in der Schweiz einen Film über ihr „Tram Projekt 4“ mitbrachten und zeigten. Mit großem Hallo erkannte man einige Leute wieder oder stellte fest, dass man sie vermisste.
Die interdisziplinären links im Alltag gab es zusätzlich in Geschäften, Galerien und Werkstätten der Stadt, wo man in den Auslagen von Konditoreien, Hutgeschäften et al. immer wieder überraschend auf Schmuck stieß.
Die Workshops während des Symposions standen unter dem Motto „coffee, cigarettes and jewellery“ und hatten bewusst einen flüchtigen Charakter, der das brainstorming betonte und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhob. Die Gruppen wurden ausgelost und es herrschte eine lockere Atmosphäre. Bei der anschließenden Präsentation trugen die Teilnehmer ihre Beiträge in einem kurzen Statement vor, so dass jeder Teilnehmer an diesem Symposion zu Wort kam und sichtbar wurde. Für mich eine schöne Aktion „von unten“.
Die Struktur des Symposions bewegte sich von Vorträgen und Ausstellungsbesuchen zu immer mehr Interaktion der Teilnehmer. Spätestens nach den Workshops war die Stimmung gelöst. Immer öfter sah man Leute in angeregten Gesprächen, die nicht allzu selten mit Händen und Füßen geführt wurden, denn es versammelten sich Teilnehmer aus ca. 12 Ländern.
Ein letztes spielerisches Element war das Happening „the theft of the jewel“. Bei der Anmeldung zum Symposion waren wir aufgefordert worden, ein Schmuckstück mitzubringen, das gestohlen werden sollte (unwiederbringlich!). Die Aktion fand auf der Abschlussparty in der Diskothek „Lux“ statt, wo über den ganzen Raum verteilt die Schmuckstücke versteckt waren. Alle schlichen um die Stücke rum, keiner wusste wann es losging. Dann wurde das Licht für ein paar Minuten ausgeschaltet. Andere Besucher der Disco machten ein ratloses Gesicht, aber als das Licht wieder anging, waren auch die unerreichbarsten Stücke weg und alle verglichen ihre Beute! Dann ging die Suche nach den „Absendern“ los. Ich konnte zwei Ringe von Monika Strasser aus der Schweiz stehlen, die mir sehr gut gefallen. Vielen Dank. Während des ganzen Abends lief eine Beamerpräsentation mit Arbeiten aller Symposionsteilnehmer ab, so dass man noch einen Eindruck der anderen Arbeiten bekommen konnte. Und natürlich wurde bis spät in die Nacht getanzt!
Die Vereinigung PIN (eigens zur Organisation des Symposions gegründet! und seither stetig wachsend) hat für meine Begriffe den Geist der ARS ORNATA EUROPEANA wunderbar getroffen, in dem sie eine gute Mischung aus Vorträgen und Diskussionen auf der einen Seite und Begegnung und Austausch auf der anderen Seite hergestellt hat. Der rote Faden des Themas wurde auf immer neue Art aufgenommen und verfolgt. Natürlich auch mit dem Bonus einer herrlichen Stadt mit wunderschönen locations: Arbeitsgruppen unter freiem Himmel mit Oleanderduft, Dinnerparty am Ufer des Tejo, gepaart mit einem völlig entspannten Organisatoren-Team. Sie haben einen super Job gemacht und konnten der britischen Vereinigung acj sogar am letzten Abend eine vorsichtige und unter Vorbehalt getätigte Zusage zur Ausrichtung des nächsten Symposions entlocken.
To be continued in 2007

Ein Abschiedsphoto auf dem Plaça Rosseo war (fast) das Ende der wunderschönen und beeindruckenden Ars Ornata Europeana. Einige Unermüdliche, unter ihnen auch Cristina und ihre Mitstreiter, trafen sich noch abends in einer Bar. Ich kann es mir nicht erklären, woher sie ihre Energie nahmen....
Sabine und ich genossen noch einmal den Blick von der Terrasse über Lissabon und ließen die Konferenz Revue passieren.
Auf diesem Weg nochmals herzlichen Dank an die Gastgeber in Lissabon!
Und auf ein Wiedersehen in Großbritannien!
Astrid Niggeloh





